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Im Jahre 1988 in der Stadt Tadmur, hier aus den Nachrichten als Palmyra bekannt, geboren, bin ich in Syrien aufgewachsen, dort zur Schule gegangen, berufiich habe ich die dreijährige Ausbilddung zum Hotelfachmann abgeschlossen und im Anschluss noch eine zweijährige Weiterbildung im Bereich Hotelwissenschaft mit Diplom erfolgreich absolviert.

Als sich der Krieg in Syrien Ende 2012 weiter ausbreitete, verließ ich meine Heimat und bin dann über den Libanon nach Ägypten und von dort nach Libyen gereist, wo ich fast zwei Jahre verbracht und als Restaurantleiter gearbeitet habe.

Als eines Abends auf der Heimfahrt, von der Arbeit zu meiner Unterkunft, auf den Wagen, in dem ich saß, geschossen wurde, und ich mich hier nun auch nicht mehr sicher fühlte, entschloss ich mich für die Flucht über das Mittelmeer nach Italien. Von dort wollte ich nach Deutschland fahren.

In Italien angekommen, weigerte ich mich deshalb dort meine Fingerabdrücke abzugeben. Es war mir bekannt, dass man dort, wo man die Fingerabdrücke abgibt, registriert wird. Meine vehemente Verweigerung hatte zur Folge, dass man sie mir mit Gewalt abnahm.

Ich ergriff den ersten Moment und setzte mich ab. in der folgenden Nacht wartete ich im Bahnhofsgebäude in Milano auf den nächsten Morgen. Mit dem Zug ging es weiter über Paris, dort habe ich die zweite Nacht auf der Straße verbracht, um am nächsten Tag den Zug nach Deutschland zu besteigen. In Köln angekommen, meldete ich mich sofort auf einer Polizeistation und bat um Asyl. Am gleichen Tag erhielt ich ein Ticket mit einer Wegbeschreibung zu einem Flüchtlingsheim in Dortmund.

Nach sechs Tagen Aufenthalt dort in der Unterkunft fuhr ich nach Neumünster ins Aufnahmelager, um von dort wiederum nach einigen Wochen der nächsten Flüchtlingsunterkunft, nämlich der in Lübbersdorf bei Oldenburg in Holstein zugewiesen zu werden.

mohjoulin 004Die Odyssee war immer noch nicht zu Ende. In verschiedenen Quartieren wurde ich hin- und hergeschoben und sehnte mich nur danach, dass in meinem Leben hier endlich ein wenig Ruhe einkehren würde. Die Lebensumstände meiner Familie in Syrien und die damit verbundene Angst, der Krieg könnte mir das Liebste nehmen, und ich kann nicht helfen, war belastend genug.

Und dann, eines Tages, erhielt ich einen Brief vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, in dem mir der Tag meiner Abschiebung und der Flug nach Italien mitgeteilt wurde. Die Abgabe meiner Fingerabdrücke in Italien war dafür ausschlaggebend und wurde mir hier zum Verhängnis. In mir brach eine Welt zusammen.

Zum Glück gibt es Menschen, und da steht das Wort für Menschlichkeit, die sich für andere uneigennützig einsetzen. Diesen Menschen bin ich begegnet. Sie haben mir ermöglicht, für meinen Aufenthalt und meine Zukunft hier in Deutschland zu kämpfen.

Mir wurde Kirchenasyl gewährt.

Das war mein großes Glück.

30 lange Tage und Nächte warten, bangen und sehnen. Auch die liebevolle Betreuung und Versorgung konnten keinen Moment die Sorge und die Angst verdrängen, die mir fast die Luft zum Atmen nahm, was wohl die Zukunft für mich bereithielt.

Als mich dann im Sommer 2015 endlich die Anerkennung und damit die nächste Duldung erreichte, war meine Freude riesengroß.

mohjoulin 006Seit dieser Zeit kämpfe ich für meine Integration.

Erst als Teilnehmer, dann als Praktikant und ab Juni 2016 als Mitarbeiter habe ich den Einstieg in die Arbeitswelt bei der Firma GSM geschafft, wo ich heute noch als Coach und Trainer beschäftigt bin.

Dazu war meine Arbeitserlaubnis der Durchbruch für mich.

Die Menschen, die mir zur Seite standen, haben auch meine besondere Fähigkeit und das Talent „mit Sand zu zeichnen“ erkannt und mit mir ein Gebrauchsmuster beim Patentamt erarbeitet, dass mir für die Zukunft neue Wege aufzeigt, hier in Europa meine Zukunft zu gestalten.